Wie wäre es das neue Jahr mit einer Reise an einen Ort zu starten, der noch nicht von Backpackern überrannt ist? Die Hauptstadt Jakarta liegt auf der Vulkaninsel Java, auf der ihr zahlreiche buddhistische und hinduistische Tempelanlagen und 38 der 130 aktiven und erloschenen Vulkane Indonesiens findet.

Ob ihr nun eine längere Reise oder vielleicht sogar einen Auslandsaufenthalt plant, die folgenden Tipps sind sicher für euch interessant. Wir haben uns mit Luise aus München getroffen, die 2013 ihr Auslandspraktikum in Jakarta absolviert hat.

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„Big Durian“, der wenig schmeichelhafte Spitzname Jakartas, bedeutet „große Stinkfrucht“. Genau wie die stachelige und übelriechende Frucht, die einen weichen süßen Kern hat und in vielen asiatischen Ländern als Delikatesse gehandelt wird, wird auch Jakarta von Reisenden oft unterschätzt. Nicht nur als idealer Ausgangspunkt für Reisen nach Bali, Singapur und Asien hat „Big Durian“ viel zu bieten und steckt voller Überraschungen.
Wer weiß schon, dass Barack Obama in Jakarta einen Teil seiner Kindheit verbracht hat und dass viele Indonesier deshalb eine besondere Verbundenheit mit dem ehemaligen US-Präsidenten empfinden? Eine zwei Meter hohe Bronzestatue von „Little Barry“ könnt ihr in der Schule im Stadtteil Menteng finden, die Obama bis 1971 besuchte.

Car Free Sunday: Street Food statt Verkehrschaos

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Jeden Sonntag könnt ihr in der Nähe außerdem ein bei Einwohnern und Reisenden beliebtes Event erleben. In der 10-Millionen-Metropole, in der Verkehrschaos beinahe vorprogrammiert ist, wird von 6 bis 11 Uhr die vielbefahrene Hauptstraße Jalan Sudirman für Fahrzeuge komplett gesperrt. Dieser Car Free Sunday hat sich in Jakarta mittlerweile zu einer richtigen Tradition entwickelt und jede Woche sind schon früh morgens an die 100.000 Personen unterwegs und genießen Street Food und Events.
Die Verwandlung der Verkehrshölle in ein buntes Durcheinander aus Spaziergängern, Fahrrädern, Essensständen und Straßenkünstlern könnt ihr auch entspannt aus 115 Metern Höhe betrachten. Vom indonesischen Nationaldenkmal, das von den Einwohnern kurz „Monas“ genannt wird, habt ihr einen unvergleichbaren Blick über die Stadt. Den Zugang zur Aussichtsplattform findet man im Indonesischen Nationalmuseum auf dem Medan Merdeka („Platz der Freiheit“).

Jakartas koloniale Vergangenheit

Bis 1945 war Jakarta der größte asiatische Umschlagplatz der Vereinigten Ostindischen Compagnie und wurde 1619 von den Holländern „Batavia“ getauft. In Kota Tua, der Altstadt, ist die koloniale Vergangenheit der Stadt nach wie vor präsent. Hier findet ihr Gebäude in holländischem Baustil und viele Museen. Besonders abends und am Wochenende ist um den ehemaligen Marktplatz Fatahillah immer viel los. Im traditionsreichen und über 200 Jahre alten Cafe Batavia, fühlt ihr euch nicht nur in die Kolonialzeit zurückversetzt, sondern könnt auch ausgezeichnet essen.

Auf Entdeckungstour

Seid ihr nur vorübergehend in der Stadt, findet ihr im von Tripadvisor und Hostelword prämierten Six Degrees Hostel den perfekten Ausgangsort für eure Entdeckungstouren. Auf dem Jalan Surabaya Antiques Market könnt ihr eure Verhandlungskünste unter Beweis stellen (Vorsicht vor Fälschungen!) und euch anschließend mit traditionellen indonesischen Spezialitäten wie Saté, Nasi Goreng oder Padang Food verwöhnen, die es hier an jeder Straßenecke gibt. Habt ihr Lust auf eine Abwechselung, sind aber auch Starbucks, hippe Burgerläden wie Three Buns und Bars nicht weit entfernt.
Die große Dachterrasse mit Barbecue-Area und Freiluft-Gym verführt Reisende dazu, das Hostel erst gar nicht zu verlassen. Wir würden euch trotzdem dazu raten, denn auch in der Stadt findet ihr zahlreiche Rooftop Bars. Eine Liste der Top 10 Bars findet ihr hier.

Tipps von Luise

Wie bist du auf die Idee gekommen ein Auslandspraktikum in Jakarta zu machen und war die Vorbereitung schwierig?
Für mich war schon immer klar, dass ich im fünften Semester meines BWL-Studiums ein Auslandspraktikum in Asien absolvieren möchte. Also habe ich ein Jahr vorher begonnen, Bewerbungen an diverse Unternehmen zu schreiben. Durch Zufall bin ich dann auf meine spätere Praktikumsstelle beim Goethe Instituts Jakarta gestoßen. Die Zusage kam ca. drei Monate vor Beginn des Praktikums, das war ziemlich wenig Zeit, denn es musste noch einiges erledigt werden: Visum, Flug, erste Unterkunft, und und und… Das schwierigste im Vorfeld war, ein Arbeitsvisum zu bekommen, aber das hat mit Hilfe eines künftigen Kollegen aus Jakarta schnell geklappt. Die restliche Vorbereitung war zwar aufgrund der wenigen Zeit stressig, aber auch sehr aufregend – schließlich stand mir mein bis dahin größtes Abenteuer bevor.

Was sollte man in Jakarta unbedingt gemacht und gegessen haben?
Lasst die Stadt in ihrem Chaos auf euch wirken, schlendert über den Antikmarkt und geht am Carfree Sunday entweder Fahrradfahren oder nehmt an den zahlreichen Laufwettbewerben teil. An jeder Straßenecke könnt ihr köstliches Obst kaufen, hier habe ich mir gerne auf dem Weg zu Arbeit etwas mitgenommen – achtet aber vor dem Verzehr darauf, es gründlich zu waschen. Ich habe der Hygiene an den Straßenständen jedenfalls nicht wirklich vertraut. Viele kleine (und günstige) Restaurants bieten eine echte Alternative. Ich habe während meiner vier Monate nur ein einziges Mal gekocht und es mir stattdessen mit Gado-Gado und Padang gut gehen lassen.
Übrigens: Indonesisches Essen ist häufig frittiert, falls ihr das nicht jeden Tag wollt, könnt ihr in den vielen Malls auch die Küche aus anderen asiatischen Ländern genießen.

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Welche Reisen hast du von Jakarta aus unternommen?
Die freie Zeit an den Wochenenden habe ich genutzt, um die vielen indonesischen Inseln zu bereisen. Unter anderem war ich gemeinsam mit anderen Praktikanten des Goethe Instituts auf Bali, Sulawesi und dem Rest Javas. Meine schönste Reise allerdings habe ich ganz alleine zur Insel Lombok unternommen. An einem Donnerstagabend bin ich nach Mataram (dem Flughafen Lombok) geflogen. Mit dem Taxi ging es zu einer vorab gebuchten Unterkunft – von dort aus wollte ich gleich am nächsten Morgen die Insel erkunden. Gesagt, getan: Nach dem Frühstück habe ich mir einen Roller ausgeliehen und bin die traumhafte Küstenstraße Lomboks entlanggefahren. Nach einigen Stunden kam ich an meinem Wunschziel an: einem Hafen, von dem aus ich auf die Gili Inseln übersetzte. Gegen ein paar indonesische Rupiah (IDR) wurde mein Roller in einer privaten Garage geparkt und los ging es zum nächsten Abenteuer. Eine halbe Stunde ca. dauerte die Überfahrt mit einem Holzboot zu den Gilis. Diese Inselgruppe besteht aus drei kleinen Inseln mit den Namen Gili Trawangan (die „größte“ Insel mit vielen Restaurants und Bars), Gili Meno und Gili Air (zwei kleinere Inseln, vor allem für Paare, die Ruhe und Traumstrände suchen, geeignet). Mein Ziel war Gili Trawangan (kurz Gili T). Dort habe ich zwei Nächte in einem Hostel verbracht. An den Tagen war ich mit Schildkröten schnorcheln, oder bin einfach am Sandstrand in der Sonne gelegen. Auch die Abende habe ich gemeinsam mit Bekannten aus dem Hostel mit einem Bintang (das gute Bier in Indonesien) an den Stränden verbracht. Viel zu kurz ging dieses Wochenende zu Ende. Mein Roller stand noch wie vor drei Tagen in der privaten Garage, und so ging es nach ein paar Tagen voller Sonne, Spaß und traumhaften Erfahrungen wieder zurück nach Jakarta.

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Bei FLYLA findet ihr günstige Studententickets zum „Big Durian“. Ihr wollt weiter weg? Auch als Ausgangspunkt für eure Asienreise ist Jakarta perfekt und bei vielen regionalen Airlines findet ihr z.B. Flugtickets nach Bali für unter 50 Euro.